Die Orgeln der Gnadenkirche

Eine Orgel in der Wahrener Gnadenkirche wurde erstmals 1697 erwähnt. An ihr und an den beiden nachfolgenden Orgeln hatte die Gemeinde trotz mehrfacher Reparaturen wenig Freude. Der Einbau der jetzigen Orgel von der Firma Jehmlich aus Dresden erfolgte 1929. Seitdem kam es mehrfach zu klanglichen Umgestaltungen, vor allem der dunkle und dumpfe Klang war Stein des Anstoßes und ein Umgestaltungsvorschlag aus dem Jahr 1938 hatte „Silbermannsche Klangschönheit“ zum Ziel. Der 2. Weltkrieg verhinderte die Umsetzung der damaligen Pläne. Erst 1985 konnten die umfangreichen Veränderungen in der Disposition der Orgel realisiert werden. Die komplexe Kirchensanierung 1991-1993 machte 1994 eine Generalüberholung der Orgel notwendig. Zusätzlich eingebaut wurden eine Holzposaune im Pedal, Rohrflöte und Mixtur im 1. Manual. Diese Arbeiten erfolgten durch die Fa. Rühle aus Moritzburg.  

In den Jahren nach 2000 kam es immer wieder zu kleineren Problemen beim Orgelspiel, bedingt durch Alterung von kleinen Verschleißteilen, so den Membranen aus Ziegenleder. Ein Gutachten vom April 2015, erstellt vom Orgelsachverständigen des Kirchenbezirkes, Kirchenmusikdirektor i.R. Bernhard Müller aus Borna, forderte eine komplette Reinigung und dringende Grundüberholung – beispielsweise den Ausbau aller Orgelpfeifen zwecks Reinigung und den Einbau neuer Ledermembranen an den Pfeifen. Auch der Orgelspieltisch sollte vollständig für die Reparatur ausgebaut werden.

Nach Prüfung der vier Angebote für die Generalreparatur der Orgel entschied sich die Kirchgemeinde in enger Abstimmung mit dem Orgelsachverständigen für die Fa. Bochmann aus Kohren-Sahlis. Im Zusammenhang mit der Orgelsanierung musste auch eine Risssanierung im Tonnengewölbe über der Orgel vorgenommen werden.   

Die Kosten für die Sanierung der Orgel und des Risses im Tonnengewölbe beliefen sich auf insgesamt 35.000 €.

Bereits in den zurückliegenden Jahren wurde für eine Orgelreparatur eine Rücklage in Höhe von 6.000 € gebildet. Die Landeskirche unterstützte das Vorhaben ebenso wie der Förderverein Gemeindeaufbau der Gnadenkirche, der mit Hilfe einer einer direkten Zuwendung, durch die Organisation von drei Benefizkonzerten, mit zwei Dritteln des Reinerlöses des 7. Wahrener Adventsmarktes sowie der Kollekte des Silvesterkonzertes 2016 einen erheblichen Betrag zuschießen konnte. Spenden aus der Gemeinde und eine Zuwendung der Sparkasse Leipzig erbrachten mehr als 12.000 €. Durch all diese Quellen konnte die umfangreiche Orgelsanierung in vollem Umfang finanziert werden. Der Reparaturarbeiten begannen im Juli und dauerten bis Oktober 2017. Mit einem festlichen Orgelkonzert wurde am Reformationstag, 31. Oktober 2017 die generalsanierte Jehmlich-Orgel der Gnadenkirche Leipzig-Wahren wieder in Dienst genommen. Sonja Lehmann und Daniel Vogt, Kantoren der Sophienkirchgemeinde, brachten die Orgel mit allen Registern zum Klingen, sowohl solistisch als auch gemeinsam. Seither erklingt die Orgel wieder in Gottesdiensten, zu Taufen, Trauungen und zu Konzerten zum Lobe Gottes und zur Freude der Gemeinde.

Hans-Reinhard Günther