Impuls des Monats

Monat Januar: Sehnsucht nach Gutem

„Viele sagen: ‚Wer wird uns Gutes sehen lassen?‘ HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!“

Dieser Vers aus dem 4. Psalm ist uns in den Herrnhuter Losungen als Monatsspruch für den Januar 2021 mit auf den Weg gegeben. Es ist die Sehnsucht nach Gutem, die hier formuliert wird. Hier ist es einem Menschen zu viel, was er erlebt – aber nicht nur ihm allein, sondern er sieht sich in Gemeinschaft von vielen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“

Das Jahr 2020 hat uns so einiges sehen lassen, von dem wir ruhigen Gewissens sagen können – es war nicht gut. Sowohl in unserem Land als auch in der weiten Welt haben sich die schlechten Nachrichten überschlagen und im vergangenen Jahr ist es so gewesen, dass wir dies auch am eigenen Leibe und im eigenen täglichen Leben erfahren konnten: Es läuft nicht gut. Der Psalm scheint uns aus dem Herzen zu seufzen: Wer wird uns wohl endlich wieder Gutes sehen lassen. Wir brauchen es, für unsere Seele und für unser Leben – im Privaten und in der Öffentlichkeit. Soll es im neuen Jahr etwa so weitergehen? Wir wissen es nicht.

Der ursprüngliche Psalmbeter – es soll David gewesen sein – wusste auch nicht, wie es weitergehen sollte, aber er wusste auch, an wen die Seufzer zu richten sind. Seine sich anschließende Bitte lässt die seufzende Frage zu einer rhetorischen Frage werden: „HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes“. Er wusste, in aller Ungemach, aller Unsicherheit und Ratlosigkeit, in allem Unguten müssen wir nicht allein stehen. Die Adresse ist der HERR, Gott unser Schöpfer, der uns nicht aus dem Blick lässt.

So kurz nach Weihnachten werden wir noch einmal an das Licht der Weihnacht erinnert, daran, dass wir glauben und erfahren dürfen, mit dem Jesuskind in der Krippe hat Gott sich uns zugewandt. Er will uns von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten, sein Antlitz leuchten lassen. Und auch hier ist es das „uns“, um das es geht – nicht wir allein, sondern die Gemeinschaft, in die wir gehören, die Familie, die Gemeinde, unser Land, die Menschheit. Es ist die Bitte um den gleichen Segen Gottes, mit dem auch jeder Gottesdienst schließt, wenn es heißt: „Der HERR lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.“

Möge Gott diese unsere Bitte, die wir mit dem Monatsspruch formulieren, nicht nur im Januar 2021, sondern das ganze Jahr erfüllen, damit wir Gutes sehen – und das in Gemeinschaft.

Ihr Pfarrer Hein

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