Impuls des Monats

EIN LEITBILD DER BIBEL FÜR DIE GEMEINDE JESU CHRISTI

Unter dieser Rubrik wird monatlich eine (Selbst)Bezeichnung der Christen vorgestellt.

Monat August: DER LEIB CHRISTI

Vielleicht die meist gebrauchte Metapher für die weltweite Kirche. Und schön ist sie obendrein. Ihre Wurzeln liegen in der antiken Philosophie. Der große Apostel hat sie schon sehr früh in das Selbstverständnis der Christenheit „eingebaut“. In den Briefen nach Korinth und Rom spielt er geradezu mit diesem wunderbaren Bild. Bis heute ist seine Ausstrahlungskraft unübertroffen. Ziemlich alles Wesentliche lässt sich daraus ableiten. So wird es in diesen wenigen Zeilen auch bei einigen Andeutungen bleiben müssen.

Wert und Würde
Paulus spricht eine einfache Sprache und stellt einfache Fragen: Ist der Fuß mehr wert als die Hand? Sind sichtbare Körperteile bedeutender als die unsichtbaren? Gleichwertigkeit und Gleichwürdigkeit sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass der Leib gut behandelt wird. Und es gilt: Unverständliche und ungesunde Privilegien schaden – dem Ganzen. Mehr oder weniger künstliche Hierarchien tun das auch.

Zusammenspiel und Arbeitsteilung
Dieser Zusammenhang ist ebenso logisch wie praktisch. Allerdings zu oft missachtet. Noch heute fokussieren Ärzte die Körperteile und kaum das Körperganze. In uns ist alles voneinander abhängig, weil alles nur miteinander funktioniert. Leben profitiert lebenslang von einer selbstverständlichen Solidarität in uns. Arbeitsteilung im Detail gehört zu den erstaunlichsten Errungenschaften der Evolution. Markenzeichen des kreativen Schöpfers! Schließlich sollte niemand vergessen, dass das Ganze mehr ist als die Summe aller Teile! Diese Erkenntnis („Licht“) der Quantenphysik scheint klar auf Medizin und Biologie.

Konsequenz und Strategie
Paulus überträgt das alles eins zu eins auf die Kirche. Seine Nachfolger halten sich diesbezüglich sehr zurück. Zu idealistisch und zu realitätsfern – meinen sie. Kirche als „Körperschaft öffentlichen Rechts“ ist die bessere Variante in heutiger Zeit. Noch! Ein ehrlicher Blick auf gegenwärtige Entwicklungen lässt an dieser pragmatischen Einschätzung zweifeln. Was aber wäre wenn?
Zusammenspiel und Arbeitsteilung – unsere Kirche hätte mit Eigeninitiative und Eigenverantwortung weniger oder kaum Probleme. Funktionen würden nicht nach Tradition, sondern nach Situation geregelt.
Wert und Würde – unsere Kirche würde ohne Schaden zu nehmen auf Hierarchien (auch auf eine Lohnhierarchie) verzichten. Autorität würde nicht vom Status, sondern von Kompetenz leben.
Unterm Strich: das „Allgemeine Priestertum aller Gläubigen“ – einst ein Fokus der Reformnation – wäre keine theologische Worthülse mehr.


Pfr. i. R. Dr. Gottfried Schleinitz