Impuls des Monats

EIN LEITBILD DER BIBEL FÜR DIE GEMEINDE JESU CHRISTI

Unter dieser Rubrik wird monatlich eine (Selbst)Bezeichnung der Christen vorgestellt.

Monat September: WEINSTOCK UND REBEN

Diese Metapher geht zurück auf eines der bekanntesten Gleichnisse Jesu. Von bedeutenden Künstlern gemalt und vertont. Weinberge sind Erlebniswelten. Weinberge sind Kulturgüter. Und Wein ist mehr als ein “Guter Tropfen”. Seit biblischen Zeiten ist er so etwas wie Botschafter. Der Evangelist Johannes liebte offenbar den Wein nicht nur als wohltuendes Getränk, sondern eben auch als Metapher. Er baut den Wein in sein Bild von Glauben ein. Später wird es ein wunderbares Bild für die Kirche Jesu Christi – ein Bild vom Leben im Glauben.

Johannes erzählt das Gleichnis, wie Jesus es erzählt hat. Die Rollen sind klar. Der Vater der Gärtner – Gott. Der Sohn der Weinstock – Jesus. Die Reben – wir, seine Schwestern und Brüder. Alle bilden ein Ganzes. Alles geht nur gemeinsam. Das eine gibt es nicht ohne das andere.

Diese Botschaft leuchtet ein. Und sie ist eigentlich so einfach: will ich mit Christus, der das Leben ist, verbunden bleiben, brauche ich nur dafür sorgen, mit seinem Leben, mit seinem Wort, seiner Botschaft, in Verbindung zu bleiben! Will ich mit dem, was er gesagt, gewollt, getan hat, nichts zu tun haben, will ich auch mit ihm selbst nichts zu tun haben. Das ist logisch. Nach ihm fragen, nach ihm suchen, nach ihm handeln! Mehr muss nicht sein. Und die Beziehung zum Weinstock ist garantiert. Da bricht nichts weg, da verdorrt nichts. Die Rebe lebt!

Und natürlich (im wortwörtlichen Sinne übrigens!) geht es um die Früchte.
Beim Gang durch einen Weinberg, läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Die wunderbaren Trauben! Was für ein Bild. Wie gut müssen die schmecken. Übertragen wir das eins zu eins auf die Kirche, auf uns Christen. Welches Bild haben andere von uns? Wie schmecken wir?
Konkret: wenn unsere Zeitgenossen Kirchen und Gemeinden als Weinberge erleben würden, wenn sie unser Leben wie Weintrauben betrachten würden – bekommen sie Lust auf Glauben? Gemeinden, die im “Licht der Welt” (“in Christus”) leben, ähneln einem Weinberg, der von der Sonne beschienen wird. Christen, die Jesu Lebenssinn und Lebensart weitertragen und ausstrahlen, ähneln Weintrauben, die Lust machen, zu kosten und auf den Geschmack zu kommen.

Manchmal haben Früchte des Glaubens ein freundliches Gesicht, das einladen möchte, das neugierig ist auf sein Gegenüber.
Manchmal haben Früchte des Glaubens Hände, die ein Gespür haben, wann und was sie nehmen und wann sie geben. In Krisen besonders.
Manchmal haben Früchte des Glaubens ein feines Gehör, zu verstehen was hinter Worten wirklich gemeint ist. Wo immer auch geredet wird.
Manchmal haben Früchte des Glaubens einen sicheren Blick für das, worauf es ankommt. In der Corona-Krise und nach der Corona-Krise.
Manchmal haben Früchte des Glaubens aufmerksame Lippen, die klar aussprechen, was nottut und guttut. In der Krise und nach der Krise.
Manchmal haben Früchte des Glaubens ein weites und warmes Herz, das offen ist für Liebe, die von ihm ausgeht und die zu ihm eingeht.

Der Glaube der Kirche ist keine trockene Theorie, kein dürrer Strohhalm. Nichts was fad, matt und schal daherkommt. Der Glaube der Kirche will zum Genuss werden.

Pfr. i. R. Dr. Gottfried Schleinitz