Impuls des Monats

Monatsspruch für Juni

“Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.” (Apg 5,29)

Für Juni ist uns ein Monatsspruch mitgegeben, der zum Nachdenken anregt. Mit “müssen” und “gehorchen” enthält er gleich zwei Worte, mit denen wir uns in der Regel eher schwer tun. Wenn ich etwas tun “muss”, dann ist meine eigene Gestaltungsfreiheit meist recht eingeschränkt, dann gibt es wenig bis gar keine Alternativen, dann ist es mit der Selbstbestimmtheit oft nicht allzu weit her. Die Zwänge können dabei familiärer, gesundheitlicher oder auch gesellschaftlicher Art sein. Es gibt vielerlei Gründe für ein “Muss”.

Hinzu kommt das “Gehorchen”, mit dem gleich Assoziationen aufkommen, die wir doch längst ad acta gelegt zu haben glauben: zu einem Untertanengeist, zu Unterwerfung, zu einem Autoritätsgefälle. Wir, die wir vor allem frei, selbstbestimmt und mit wenig Autorität leben wollen, bekommen hier gesagt “Man muss gehorchen”.

Wir wissen, dass wir nicht allein auf der Welt sind, dass wir nicht den Mittelpunkt der Welt bilden, dem alles andere zugeordnet ist; wir wissen, dass auch unser Leben Ordnungen, Regeln und Gesetze braucht, damit es lebbar ist, damit wir, die wir soziale Wesen sind, dieses soziale Leben auch haben und gestalten können. Aber wir wollen nicht einfach nur gehorchen, noch weniger wollen wir ein alternativloses Muss.

Bei dem Monatsspruch geht es jedoch gar nicht darum, unseren eigenen Willen abzulegen, uns willenlos zu einer Fremdbestimmtheit zu veranlassen. Hier geht es um gehorchen weniger im autoritären Sinne als im Sinne von hören, von horchen, von auf etwas achten.

Was das für uns aber heißt, hat Jesus in seiner Antwort auf die Frage nach dem höchsten Gebot, auf das wir horchen sollen, deutlich gesagt (Mk 12,29): Du sollst lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt, mit all deiner Kraft – lieben, und zwar Gott, den, der dich geschaffen hat.

Und weil das so ist, folgt daraus das zweithöchste Gebot: Du sollst den anderen, deinen Nächsten, deine Nächste lieben, denn er ist wie du selbst – ein Geschöpf Gottes. Er sei deshalb ein Ziel deiner Liebe, wie du es selbst sein sollst.

Wenn ich auf dieses mein Geschöpfsein horche, dann ist das ein Gehorsam Gott, meinem Schöpfer gegenüber. Jedes von einem Menschen kommende Gesetz, und sei es von mir selbst, kann nicht darüber stehen. Will ich Mensch sein und bleiben, kann ich nur auf meinen Ursprung, meinen Schöpfer zu horchen. Und dieser Schöpfer hat in Jesus Christus uns, seinen Geschöpfen, einen Weg zu sich eröffnet, von dem ein Christ nicht schweigen kann und darf, sondern den er weitersagen muss, auch wenn andere es verbieten – wie es in den Versen vor dem Monatsspruches beschrieben wird. Wenn das Heil des anderen betroffen ist, kann sich nichts dagegen stellen.

Ihr Pfarrer Hein

Pfarrer Dr. Markus Hein
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