Impuls des Monats

EIN LEITBILD DER BIBEL FÜR DIE GEMEINDE JESU CHRISTI

Unter dieser Rubrik wird monatlich eine (Selbst)Bezeichnung der Christen vorgestellt.

Monat Juni:   NACHFOLGE-GEMEINSCHAFT

Ein von mir sehr geschätzter und hoch verehrter Theologe ist kürzlich verstorben: Johann Baptist Metz.
Er hat in den Siebzigern (oder sogar bereits in den Sechzigern) den Begriff der “Gefährlichen Erinnerungen” gebraucht. Man sagt, er sei der Vater der Poltischen Theologie. Eine Theologie, die im Rückblick auf Jesus von Nazareth die soziale, politische, ökologische Bedeutung unseres Christenglaubens betont. Und das ist nötig gegenüber einem individuell verengten Glauben mit dem überzogenen Fokus auf die Beziehung der Seele zu Gott.

Die Erinnerung an die Nachfolge gehört zu den “Gefährlichen Erinnerungen”. Das ist logisch. In einer Kirche, die in einer durchkapitalisierten Gesellschaft “Körperschaft Öffentlichen Rechts” ist, kann dem Anspruch, einem als Aufrührer Hingerichteten nachzufolgen, nicht genügen. Eine Kirche müsste wie er ein Fremdkörper sein. Eine Kirche müsste wie er der Ungerechtigkeit nachhaltig widersprechen und widerstehen. Eine Kirche müsste wie er in massive Konflikte geraten mit einem System, das auf Kapital (Goldenes Kalb, Mammon, Profitgier) aufgebaut ist. Daran ändern auch viele Sonntagsreden nichts!

Nachfolge setzt unbequeme Prioritäten. Beispiele: Armut ist keine Schande, sondern eine Aufgabe. Reichtum kann Diebstahl sein. Feinde zu Freunden machen, könnte den ganzen Planeten retten. Weltweite Gerechtigkeit ist das Gebot der Stunde. Nachfolge weckt das Gewissen und schärft das Bewusstsein: Ständige Maximierung von Profit und Besitz ist tödlich. Immer und nur Leistung bringen setzt Menschlichkeit matt. Das Herz bleibt auf der Strecke. Die Seele verdorrt. Zuwendung bleibt Mangel. Liebe wird zum Luxusartikel.

Nachfolge hat Markeneichen für Kirchen und Christen zu sein: “was würde Jesus dazu sagen?” Jesus nachfolgen bedeutet: Ticken wie Jesus. Seine Worte und Werke, seine Wege und Ziele im Hinterkopf haben. Haltung bewahren und Flagge zeigen, Klartext reden, im Fokus der Mensch als “Kind Gottes”.

Wie hat Jesus der Christus – nicht nur einmal – gesagt: wer mir nachfolgt…… Eine Kirche als Nachfolge-Gemeinschaft – es wäre wunderschön!

Pfr. i. R. Dr. Gottfried Schleinitz