Impuls der Woche

Wochenspruch für den Sonntag Kantate, 15. Mai 2022

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! (Psalm 98)

Singen Sie? Gern? Oft? Laut? Leise? Allein? Gemeinsam? Ihre Antwort auf jede dieser Fragen würde ein abendfüllendes Programm. Noch viel interessanter ist die Frage „Warum singen Sie’?“ Überlegen Sie gut, ehe Sie antworten.

Wenn der Psalm zum „Neuen Lied“ aufruft, muss es Alte Lieder gegeben haben. Es klingt so, als wolle er die entsorgen, weil die nichts nützen. Es scheint Lieder zu geben, die können sogar Schaden anrichten. Möglich, dass der Psalm bei „Alten Liedern“ weniger an Gesang, vielmehr an Gejammer denkt, nicht an Singen, sondern an Klagen. Solche „Alten Lieder“ haben auch meist gar keine Melodie. Es sind traurige Texte, die immer nur wiederholt und abgelassen und runtergeheult werden. Es gibt sie ja leider wirklich – selbstzerstörerische Texte und tödliche Worte. Wer immer nur solche „Lieder“ singt, schottet sich ab von allem, was Freude macht und Hoffnung weckt. An diesen „Alten Liedern“ konnte sich noch nie ein Mensch festhalten. Mit ihnen hat noch niemand zuversichtlich in die Zukunft geschaut. Aus ihnen hat noch nie jemand Mut geschöpft. Sie taugen einfach nicht zum Leben.

Wenn der Psalm zum „Neuen Lied“ aufruft, dann muss es sie wirklich geben. Und es gibt sie! Natürlich gehören dazu die „Schlager“ unserer Kirche – „Ein“ feste Burg ist unser Gott“ oder „Nun danket alle Gott“ oder „Bis hierher hat mich Gott gebracht“ oder „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ oder „Jesus lebt mit ihm auch ich“ oder „Befiehl du deine Wege“! Zum „Neuen Lied“ gehören ebenso Worte von Menschen, die uns Mut machen – „Erinnern ist Leben“ oder „Sei neugierig auf die Ewigkeit, sie ist die einzige Lebensform ohne Unmöglichkeiten“ oder „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Mit dem Herzen des Glaubens sieht man sogar in die Zukunft ohne Angst.

Pfr. i. R. Gottfried Schleinitz

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