Impuls der Woche

Wochenspruch Sonntag Reminiscere 28. Februar 2021

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Römer 5,8)

Das ist zugegebenermaßen schwere Kost. Obwohl: Andachten und Predigten, Gesangbücher und Liturgien benutzen seit Jahrhunderten diese zur blassen Formel verkommene Wahrheit „für uns gestorben“. Ich versuche heute gar nicht, mit Worten zu erklären, was damit gemeint ist oder gemeint sein könnte. Ich gehe mit Ihnen einen anderen Weg. Ich versuche, mich mit Ihnen zu verständigen über ein Bild. Und das geht so:

Ich schaue auf das Kreuz. Das Kreuz hat zwei Balken, einen senkrechten und einen waagerechten. Der senkrechte Balken symbolisiert eine stabile Brücke – die Brücke zwischen Himmel und Erde, zwischen Kosmos und Globus. Der waagerechte Balken symbolisiert einen weiten Horizont – rund um den Erdball, global.

Das, und vor allem das, zeigt Gott in Jesus von Nazareth, dem Christus: Seine Liebe hat nach oben und unten keine Grenze. Seine Liebe ist von kosmischen Ausmaßen und von universaler Qualität. Seine Liebe hat nach keiner Seite eine Grenze. Seine Liebe ist von globalem Ausmaß und von internationaler Qualität.

Wenn ich das Kreuz Jesu so sehe und deute, bin ich nicht fixiert auf Tod und Blut und Leid, sondern auf die grenzenlose Liebe Gottes und deren schöpferische Kraft. Wir reißen Karfreitag und Ostern meist auseinander. Aber sie gehören zusammen. Das Kreuz ist die Botschaft von der alles überwindenden Kraft der Liebe Gottes.
Wie Sie gemerkt haben: das Wort Opfer habe ich tunlichst vermieden. Zu krass sind die Missverständnisse, die damit verbunden sind. Nicht wenige Zeitgenossen fragen uns Christen ernsthaft: Was ist das für ein Vater, der den Tod seines Kindes braucht, um seine Ziele durchzusetzen? Was ist das für eine Religion, die am Opfer gewinnt? Vor allem aber, was ist das für eine Liebe?

Ich habe es heute anders versucht. Und ich hoffe, Sie kommen klar damit. Schalom!

Pfr. i. R. Dr. Gottfried Schleinitz

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