Impuls der Woche
Sonntag Trinitatis, 31. Mai 2026
Das ist nun unser SONNTAGSIMPULS ZUM TRINITATISFEST. Seit Jahrhunderten feiert die Kirche dieses Fest der Dreieinigkeit. Es ist das rätselhafteste Fest in unserem Glauben – Dreieinigkeit! Wie geht das? Wir wünschen Ihnen eine richtig gute erste Juni-Woche. An diesem Fest begegnen uns nicht ganz einfache Gedanken:
Dreieinigkeit?
Die (Er)Klärung der dogmatischen Formel von der „Dreieinigkeit Gottes“ (Trinität) ist den meisten (auch christlichen) Zeitgenossen so etwas wie die Quadratur des Kreises. Mit diesem Problem sind wir nicht allein. Der hochverehrte Doktor Martin Luther, der sich an viele Rätsel des Glaubens herangemacht hatte, tat sich spürbar schwer mit der Dreieinigkeit. Logisch ist da wenig zu machen. Irgendwie tröstlich in einer durchdigitalisierten Gegenwart.
Umso erstaunlicher wie der Heilige Patrick einst in Irland den einheimischen „Heiden“ die Dreieinigkeit nahe zu bringen versucht hat. Er tat es mit sehr natürlichen Mitteln. Die drei Blätter im Wappen Irlands erinnern daran. Eine Erinnerung – weit über das Historische hinaus.
Umso verständlicher, dass wir auch heute versuchen, mit Symbolik dem Kern der Sache nahe zu kommen. Der Vergleich mit den drei Aggregatzuständen des Wassers wird gelegentlich bemüht, um zu verdeutlichen, dass es doch durchaus möglich ist: Eins erscheint als Drei – flüssiges, erstarrtes, verdampftes Wasser.
Geht noch mehr?
Vielleicht mal mit einem Vergleich:
Mein Leben vollzieht sich in verschiedenen Rollen: Ehemann, Vater, Bruder, Freund, Kollege, Zeitgenosse, Gesprächspartner.
Mein Leben vollzieht sich auf verschiedenen Bühnen: Ehe, Familie, Freundschaft, Nachbarschaft, Öffentlichkeit, Beruf, Freizeit.
So auch Gott?
Gott begegnet mir auch unterschiedlich in den verschiedenen Zeiten meines Lebens.
Ich versuche ein „Trinitatis-Telegramm“ zum Glauben an „Vater, Sohn, Geist“:
Der Vater: Ursprung, Herkunft, Rückzug, Gewissheit, Sicherheit, Norm, Halt.
Der Sohn: Gemeinschaft, Geschwisterlichkeit, Augenhöhe, Aktivität, Verantwortung.
Der Geist: Übereinstimmung, Orientierung, Vergewisserung, Vertrauen.
Und ist es nicht wunderbar, dass Liebende in ihrer Beziehung verschiedene Namen für ein und denselben Menschen gebrauchen?
Und wie schön, wenn ich auch in meiner Beziehung zu Gott unterschiedliche Namen verwende und auf unterschiedliche Art mit Gott unterwegs bin!
Schließlich: das Problem mit der Dreieinigkeit macht mir bewusst, dass alles, was mit Gott wirklich zu tun hat, nie und nimmer definiert werden kann und auch nicht muss. Bilder sind unsere Sprache, wenn ich über Gott „ins Gespräch“ kommen möchte.
Gott ist und bleibt mein „Großes Geheimnis“.
Pfr. Dr. Gottfried Schleinitz
Sie haben die Impulse der letzten Wochen verpasst?
Dann können Sie sie hier nachlesen:
Kirchenjahr 2024/2025
Kirchenjahr 2025/2026