Impuls der Woche

Wochenspruch für den 17. Sonntag nach Trinitatis, 26. September 2021

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. (1.Joh.5/4)

Wenn dieser Spruch über die Lippen kommt, ist Vorsicht geboten! Er muss vor Missbrauch geschützt werden. Und bleiben. In schlimmen Kriegen, etwa im Dreißigjährigen Krieg oder im Ersten Weltkrieg, ist er von allen beteiligten Seiten als Schlachtruf buchstäblich vergewaltigt worden. Glaubenskriege sind die verwerflichsten Kriege aller Zeiten. Aber es gibt sie halt. Heute noch führen sogar Weltmächte „Kreuzzüge“. Und auch da spielt Frömmigkeit eine unrühmliche Rolle. So darf der triumphale Satz aus dem ersten Johannesbrief nicht verstanden werden!

Die „Welt“ ist bei Johannes alles das, was mit Gott nichts im Sinne hat und alles das, was gegen ihn auf dem Plan ist. Die „Welt“ ist eher eine theologische, weniger eine geografische Größe. Gegen das Widergöttliche, das Lebensfeindliche, das Böse, hat der Glaube eine gute Chance. Und umgekehrt: diese Kräfte und Mächte sollen dem Glauben nichts anhaben können. Das klingt dann doch schon erheblich anders!

Und was macht diese „Frohe Botschaft“ mit uns – egal welchen Alters? Sammeln Sie einfach mal ein, was Ihnen so zu schaffen macht. Nehmen Sie sich dafür ruhig eine halbe Stunde Zeit. Schreiben Sie es am besten auf. Und dann schauen Sie mal drauf. Eines nach dem anderen. Und dann kommen Sie mit Ihren Gedanken „ins Gespräch“, sagen Sie klipp und klar: „Du kannst mich mal! Du kannst mir nichts anhaben. Ich habe den lebendigen Gott auf meiner Seite. Ich bin nicht in deinen Händen, sondern in seinen Händen!“ Aber vergessen Sie dabei nicht: es steht nichts davon geschrieben, dass die Angst überwunden ist – die Welt ist überwunden. Angst wird immer wieder sein und uns zu schaffen machen. Sie verdrängen zu wollen, bringt nichts. Aber der Angst einen Namen geben und sie zur Seite legen – das können Sie schon und das geht wirklich. Gegenüber der Angst – wovor auch immer – macht Glauben Sinn. In dieser Sache sind „Siege des Glaubens“ möglich. Ich wünsche sie Ihnen von Herzen. Und nun machen Sie die Probe aufs Exempel – wie man so sagt!

Pfr. i. R. Dr. Gottfried Schleinitz

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