Impuls der Woche

Gedanken zum Pfingstfest am 31. Mai 2020:

Komm Heiliger Geist – Komm!

Ein Bittruf, der bis in die frühe Christenheit zurückreicht. An Aktualität hat er nichts, aber auch gar nichts, verloren. In einer Zeit, die von allen guten Geistern verlassen zu sein scheint. Das betrifft die Verhältnisse, in denen wir leben. Manchmal betrifft es uns auch selber.

Komm Heiliger Geist! Damit drücken wir unsere Verzweiflung aus: es kann doch so nicht weitergehen. Damit drücken wir unsere Sehnsucht aus: es muss doch endlich anders werden.

Wir tun uns schwer mit dem Geist. Warum?

Menschen sind Fakten-Wesen geworden. Mag sein, dass es in längst vergessenen Vergangenheiten anders gewesen war. In unserer Zeit jedenfalls geht es vor allem um Daten und Fakten. Die Realität besteht aus Fakten. Wir leben von Fakten. Wir sind auf Fakten aus. Selbst die Zukunft wird aus Fakten gemacht. Fakten sind was Handfestes. Fakten können wir greifen, sehen, kaufen, wünschen. Vom Geist ist selten die Rede. Gewiss: Es gibt den Zeit-Geist. In den Büchern und Filmen werden geistige Werte transportiert. Malerei und Musik sind geistige Güter. Was aber ist vom Geist und vom Geistigen zu halten? Für Viele eine Illusion. Für nicht Wenige sogar Spinnerei.

Inzwischen hat sich Erstaunliches getan. Selbst die hohe Wissenschaft denkt um. Große Geister reden von Dingen, die sie nicht messen können. Sie reden von einer Wirklichkeit, die mehr ist als die Realität der Fakten. Da gibt es also etwas, das nicht zu den Fakten zählt, was dennoch in der Welt ist, was sie durchströmt, was sie im Innersten bewegt. Sie reden gelegentlich sogar von Geist!

Und wir bitten darum:
Komm Heiliger Geist! Vielleicht ist es gut, dass wir dich weder machen noch greifen können. Wenn Menschen dich nicht produzieren können, können sie dich auch nicht manipulieren. Doch du bist so wirklich, dass du uns allezeit, überall und manchmal überraschend erreichst. Durchströme uns – das “System” unseres Körpers, unser Immunsystem, unser Nervenkostüm, unsere Gedankenwelt. Durchströme besonders unser Herz. Belebe unsere Seele mit ihren Erwartungen und Befürchtungen Bewahre unseren Glauben. Begleite unsere Liebe. Beflügele unsere Hoffnung. Komm!

Pfr. i. R. Dr. Gottfried Schleinitz