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Baal
In der hebräischen Sprache bedeutet Baal “Herr”, “Eigentümer” und ist in den meisten kanaanäischen bzw. semitischen Religionen zur Gottesbezeichnung geworden. Solche “Gottheiten” hatten keine Eigennamen. Hauptsächlich sind diese Götter oder Geister verantwortlich gemacht worden für Fruchtbarkeit von Mensch, Tier und überhaupt für alle Vegetation. Oder sie sind verantwortlich für Überwachung von Vereinbarungen. Meist war ihre Wirksamkeit und ihre Wahrung an bestimmte Orte gebunden. Einer der Götter hatte als heiliges Tier den Stier (“Goldenes Kalb”). Könige befürworteten häufig den Baals-Kult. Von den Propheten dagegen wurde er heftig und unerbittlich bekämpft.

Beichte
Im vierten Jahrhundert hat Basilius der Große von seinen Mönchen allabendlich die Beichte erwartet. Über den irischen Mönch Columbanus kam sie nach Mitteleuropa. Die Beichtpflicht (mindestens einmal im Jahr) wurde 1215 auf der IV. Lateransynode eingeführt. Damals wurde auch die Wahrung des Beichtgeheimnisses festgelegt. 1439 wird die Beichte als Sakrament (als notwendige heilige und heilsame Handlung der Kirche) bestätigt. Für die Beichtpraxis gab es Beichtstühle (seit 1614 haben vergitterte Seitenwände dafür gesorgt, dass der Priester dem Beichtenden verborgen blieb) oder Beichtkammern. Luther hat lange überlegt, ob auch in der evangelischen Kirche neben Taufe und Abendmahl die Beichte als Sakrament beibehalten werden sollte. Seit der Aufklärung ist die Einzelbeichte in evangelischen Kirchen so gut wie abgeschafft worden. Dieser Verlust wird heute als schmerzlich empfunden. Manche jungen Kirchen in den Missionsgebieten praktizieren inzwischen z. T. sogar die öffentliche Beichte.
Zunehmend haben viele Beratungs-Gespräche Beichtcharakter. Das Aussprechen von Not, Angst und Schuld hat befreiende Wirkung. Man kann nicht alles mit sich selbst abmachen. “Das Wort, das dir wirklich weiterhilft, kannst du dir nicht selber sagen” (aus Afrika).

Bekehrung
Gemeint ist der Wechsel zu einer anderen religiösen Grundüberzeugung (zu einem anderen Glauben). Es kam vor, dass ganze Volksgruppen oder Völkerstämme beispielsweise zum Christentum übergetreten sind. Solche Bekehrung wurde gelegentlich auch gewaltsam herbeigeführt. Einzelne Menschen sprechen immer dann von Bekehrung, wenn sie sich direkt von Gott angesprochen fühlen (mit genauer Orts- und Zeitangabe) und daraus die Konsequenzen ziehen. Bei kleineren oder größeren Evangelisationsveranstaltungen hat die Bekehrung den Charakter einer Lebensübergabe. In diesem Zusammenhang ist Bekehrung sowohl Eingreifen Gottes als auch eigene Entscheidung (entschiedenes Christentum). Manchmal ist Bekehrung aber auch ein langer Prozess, ohne dass ein genauer Zeitpunkt angegeben werden kann. Die Reformatoren hatten mehr Wert gelegt auf eine tägliche Umkehr, Besinnung.

Bekennende Kirche (BK)
In der BK schlossen sich evangelische Christen während der Naziherrschaft zusammen. Sie waren Gegner der Deutschen Christen (DC), die alles Nichtarische aus der Bibel entfernen wollten (z. B. das gesamte Alte Testament, viele Briefe des Neuen Testaments, Jesu Herkunft wurde entsprechend manipuliert – er sollte indogermanischen Ursprungs sein).
Paul Schneider (in Buchenwald ermordet) gehörte zur BK. Während des Kirchenkampfes in der Nazizeit wurde die berühmte “Theologische Erklärung” von Barmen auf der Synode (1934) verabschiedet. Sie wendete sich gegen das Eindringen der faschistischen Weltanschauung in die Kirche.

Bekenntnis
Das Bekenntnis ist die Bejahung einer Zugehörigkeit in der Einheit von Wort und Tat. Im christlichen Bekenntnis wird die Zugehörigkeit zu Jesus Christus und zur Kirche Jesu Christi persönlich bestätigt.

Bergpredigt
Am Anfang der ersten großen Rede Jesu im Matthäusevangelium wird erzählt, dass sie auf einem Berg stattgefunden habe. Auf diese Ortsangabe hin wird diese Rede Bergpredigt genannt (Kapitel 5 – 7).
Darin sind u. a. enthalten: die Seligpreisungen, das Vaterunser, die “Goldene Regel”, der Appell zur Gelassenheit im Alltagsstress, das Bild von den Häusern auf Sand oder auf Fels, das Bild vom “Licht der Welt” und vom “Salz der Erde” für die Gemeinde Jesu. In der Bergpredigt ist die Lehre Jesu in geradezu klassischer Form zu uns gekommen. Bei der Umsetzung der Bergpredigt in die Lebenspraxis ist eine nicht nur oberflächliche Beziehung zum “Bergprediger” unverzichtbare Voraussetzung.
Manchmal galt die Bergpredigt nur für besonders Berufene (Nonnen, Mönche, Priester) oder nur für Christen.
Manchmal wurde sie Anlass und Instrument heftiger Kirchenkritik (Waldenserbewegung, Franziskanerorden …).
Manchmal wurde sie als unerfüllbares Ideal verstanden und entsprechend relativiert.
Und manchmal ist sie bis heute eine Herausforderung zum Pazifismus und zum radikalen Teilen von Besitz.
Keinen lässt die Bergpredigt unberührt.

Berufung
Von manchen wird sie als direkter Auftrag Gottes erlebt oder verstanden, die bisherige Lebensweise zu verlassen. Gelegentlich ist von dem Ruf aus der Finsternis zum Licht die Rede. Oder jemand wird in eine ganz bestimmte Funktion berufen. Für viele ist Berufung so etwas wie die Summe vieler Überlegungen, Ereignisse und Umstände. So wird häufig von “Führung” gesprochen, um auszuschließen, dass andere Gesichtspunkte (Zufall, Verdienst, Mode usw.) als der Gehorsam gegen das Wort Gottes eine Rolle gespielt haben können. Eine Berufung kann man allenfalls bekennen, niemals beweisen. Vor allem Propheten haben solche besonderen Beauftragungen erfahren (etwa durch Visionen). Nach dem Verständnis Luthers kann es aufgrund der biblischen Überlieferung für Jeden und Jede eine Berufung geben.

Bier
In alttestamentlichen Texten wird, meist parallel zu Wein, ein Rauschgetränk erwähnt: Sekar.
Über Brauprozess, Biersorten (in Mesopotamien runde 70!) gaben viele Dokumente Auskunft. Antikes Bier enthält keinen Hopfen. Für ägyptische Soldaten zählt Bier zum Proviant (Hinweis in den Amarna-Briefen). Beim israelitischen Gastmahl war Bier geschätzt, man verwandte es sogar als Medizin. Es war für das Passa verboten.

Brüdergemeinde
1457 entstand aus der kirchlichen Reformbewegung der Hussiten eine Religionsgemeinschaft, die sich ab 1467 Unitas fratrum, Brüderunität nannte. Sie waren in Mähren/Böhmen zuhause, wanderten etwa um 1700 aus, kamen 1722 nach Herrnhut, siedelten und erfuhren eine bis heute spürbare Prägung durch den Grafen Nikolaus von Zinzendorf (gest. 1760). Angehörige dieser evangelischen Gemeinschaft können in Doppelmitgliedschaft auch Mitglieder der ev.-luth. Landeskirche sein.
Im 18. Jhd. haben Herrnhuter Missionare sich besonders um nordamerikanische Indianer gekümmert. Von Herrnhut kommen die “Losungs-Bücher”: Tageskalender mit ausgewählten Worten aus dem Alten und Neuen Testament.

Bund
Bund, auch Testament genannt, bedeutet “letztwillige Verfügung”.
Der Alte Bund (Altes Testament) Gottes mit den Menschen ist geprägt von der Noah-Geschichte (der Regenbogen als Bundes-Zeichen nach der Sintflut), von den Sinai-Erzählungen (10 Gebote als Bundes-Dokument) und von Prophetenworten (Jeremia, Kap. 31: Der Wille Gottes geschrieben ins menschliche Herz). Durch den Alten Bund ist Israel sozusagen an Gott gebunden – geBUNDen.
Der Neue Bund (Neues Testament) Gottes mit den Menschen ist geprägt von der Botschaft Jesu, von seiner Wahrheit (Verkündigung), von seiner aufopferungsvollen Hingabe (Kreuzigung), von der Gemeinschaft mit ihm (Abendmahl). Der Neue Bund ist eine Verbindung zwischen dem Geist des Menschen und dem Geist Jesu. Diese Verbindung drängt zur Verbindlichkeit. Der Bund mit Gott zieht immer den Bund mit Menschen nach sich. Es ist die Doppel-Strategie des Himmels gegen die Hölle auf Erden.

Bundeslade
Wichtigster Kultgegenstand im Alten Israel. Darin wurden die Gesetzestafeln des Alten Bundes (Altes Testament) aufbewahrt. In der früheren nomadischen Lebensweise in einem heiligen Zelt. Später im Allerheiligsten des salomonischen Tempels. Wo auch immer die Bundeslade ist, dort ist Gott gegenwärtig. Sie gilt von früh an als Vergewisserung der Bundestreue Gottes. Immer wieder von den Feinden Israels geraubt, bringt sie den Räubern Unglück.
Sie war ein Kasten aus Akazienholz, innen und außen mit Gold überzogen und von einem goldenen Glanz umgeben. Sie konnte auf den Schultern getragen oder auf einem Wagen befördert werden.

Buße
Buße bedeutet “umdenken”, “umkehren”. Zur Buße ist oft aufgefordert worden mit Drohungen, mit Gewalt. Das Wort wird oft falsch gebraucht (z. B. “Bußgeld”). Deshalb erscheint es vielen als altmodisch, demütigend, sinnlos.
Jesus fordert Buße mit dem Hinweis auf die Freundlichkeit Gottes. Buße (Änderung des Sinns, des Bewusstseins) erniedrigt nicht, sondern erneuert. In Luthers 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg spielt das Verständnis und die Verwirklichung von Buße eine Schlüsselrolle.